v.l. Khaled Almohamad, Iman Hajir, Mohammed Barho, Najwa Aourefali, Jasem Al Khlef (Foto: privat)

Duisburg. Am gestrigen Donnerstag endete für fünf Flüchtlinge aus Syrien ein zehntägiges Praktikum in den AWOcura-Seniorenzentren. Die Arbeit in der Pflege bildet den Auftakt des Projekts „Care for Integration“ der Akademie für Pflegeberufe und Management (APM). Die zwei Frauen und drei Männer erwerben innerhalb eines Jahres den Hauptschulabschluss und lernen im begleitenden Unterricht Deutsch sowie die Grundbegriffe der Pflege.

Das Projekt „Care for Integration“ will landesweit in einer ersten Phase bis zu 160 geflüchtete Menschen eine berufliche Perspektive im Pflegebereich bieten. Zu Beginn des Fortbildungsjahres sammeln die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Praxiserfahrung durch die Tätigkeit in einem Seniorenzentrum. Die AWOcura unterstützt die Integrationsmaßnahme der APM, die so nur in Nordrhein-Westfalen angeboten wird. Die Syrer gewannen praktische Einsichten in den AWOcura-Seniorenzentren Ernst Ermert in Duissern, Im Schlenk in Wanheimerort, Lene Reklat in Rheinhausen, Vierlinden in Walsum und dem Wohndorf in Laar.

Die Erfahrungen nach den zwei Praktikumswochen waren – für beide Seiten – durchaus positiv. Andrea Hemmers, die Stellvertretende Teamleiterin des Sozialen Dienstes im AWOcura Seniorenzentrum Ernst Ermert, sagt zum Beispiel über die Syrerin Najwa Aourefali: „Sie ist freundlich und hilfsbereit, hat Humor und lacht gerne. Sie findet es toll, wie sich hier um alte Menschen gekümmert wird und kommt gerne zur Arbeit.“ Ja, die noch fehlenden Sprachkenntnisse sind eine Herausforderung. Aber wozu gibt es Handys? Das Gerät diente als Dolmetscher.

Der Einstieg in eine mögliche berufliche Karriere in der Pflege über ein Praktikum ist sinnvoll. Andrea Hemmers beschreibt die Eingewöhnungsphase: „In ihrer Heimat hat Frau Aourefali nicht gearbeitet und sich hauptsächlich um die vier Kinder gekümmert. Für sie ist es noch ein ungewohnter Tagesablauf. Die ‚deutsche‘ Pünktlichkeit, Hast und Eile sind ihr noch fremd.“

Auch für Jasem Al Khlef bedeutete das Praktikum im AWOcura-Seniorenzentrum Im Schlenk einen echten Szenenwechsel. Der 26-jährige Syrer war in seiner Heimat Installateur für jegliche Art von Klimaanlagen. Mit seiner Familie flüchtete er von Syrien zunächst in den Libanon. Eleni Antoniadou vom Sozialen Dienst beschreibt den weiteren (Berufs-)Weg: „Seine Familie lebt immer noch dort. Herr Al Khlef ist als einziger nach Deutschland gekommen und hofft, sich hier eine Zukunft aufzubauen.“ Das Praktikum im Sozialen Dienst im AWO-Haus in Wanheimerort hat ihm gefallen. Die zehn Tage sieht er als einen lehrreichen Einstieg in das Berufsleben. Er könne sich eine Arbeit in der Pflege inzwischen durchaus für sich vorstellen, sagte der junge Mann aus Syrien.

Das gilt ebenfalls für Khalad Alomamad. Der 42-jährige Syrer, Vater von vier Kindern (7 bis 14 Jahre), spricht schon recht gut Deutsch. Michael Harnischmacher, Prokurist bei der AWOcura, sagt über ihn: „Er ist sehr höflich, zuvorkommend und lernbegierig.“ Ein Beispiel dafür: Am Montag lief er mit zwei Bewohnerinnen an den Händen zum Betreuungsangebot. Und was da noch geht: Khalad Alomamad ging mit Bewohnerinnen spazieren und zum Einkaufen. Gemeinsam spielte man und der Syrer las den Bewohnern auf Deutsch vor.

Gelernt haben während der zwei Praktikumswochen nicht allein die Projektteilnehmer. Michael Harnischmacher sieht auch die Erfahrungen, die die AWOcura-Teams gemacht haben: „Interessant war zu erfahren, dass es in Syrien keine Seniorenzentren gibt. Alte Menschen werden ausschließlich innerhalb der Familie gepflegt. Das bedeutet, dass sich die Praktikanten auf eine für sie komplett fremde Welt eingelassen haben. Was auffiel: Alle waren sehr engagiert und sehen das Projekt als eine Chance, in Deutschland Fuß zu fassen.“

Dirk Münster, Heimleiter im AWOcura-Seniorenzentrum Ernst Ermert, und Pflegedienstleiterin Nicole Sangerhausen sagen: „Was wir bereits beim ersten Treffen merkten, hat sich bestätigt: Die Altenpflege sehen viele als eine Berufung an. Sie möchten gerne alten Menschen helfen und haben Ehrgeiz, möglichst schnell Deutsch zu lernen und alles, was man wissen muss, um gute Arbeit in der Pflege zu leisten.“

Das Projekt bietet den Zuwanderern eine echte Perspektive. Und Aussicht auf ein Wiedersehen in Duisburg. Nach dem guten Start in den vergangenen beiden Wochen besteht Aussicht, dass angehende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege ein weiteres Praktikum bei der AWOcura absolvieren. Und wer weiß: Vielleicht geht im nächsten Jahr sogar eine Bewerbung ein.

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