Portrait von Otto Brües, aufgenommen 1967 (Foto: Stadtarchiv Krefeld)

Krefeld. In diesem Jahr jährt sich der 120. Geburtstag und der 50. Todestag des Krefelder Schriftstellers Otto Brües. Er wurde am 1. Mai 1897 in Krefeld geboren und starb dort am 18. April 1967. Sein Oeuvre umfasst 26 Dramen, 17 Erzählungen, neun Novellen, 14 Romane und neun Gedichtbände sowie diverse unveröffentlichte Manuskripte. „In seinen Schriften mischen sich humorvoll-rheinische Fabulierlust mit heiterer Frömmigkeit“, beschreibt ein Artikel im Brockhaus-Lexikon in den 1950er-Jahren sein Werk. Zu seinen heute wohl noch bekanntesten Werken zählen der Roman „Der Silberkelch“, in dem er anhand seiner Geburtsstadt die Epoche vom Kaiserreich bis in die 1940er-Jahre schildert, sowie die Novelle „Schloss Moyland“, in der er das Zusammentreffen von Friedrich dem Großen und Voltaire am Niederrhein erzählt. Kurz vor seinem Tod verlieh ihm die Stadt Krefeld im Februar 1967 das Ehrenbürgerrecht. Anlässlich des Todestages findet an seinem auf dem Hauptfriedhof gelegenen und unter Denkmalschutz stehenden Grab eine Kranzniederlegung statt.

Otto Brües wuchs in einem konservativ, christlich geprägten Umfeld auf und verbrachte seine Jugend- und Schulzeit in Krefeld. Während seines Militärdienstes im Ersten Weltkrieg zog die Familie nach Köln, wohin er ihr folgte. Sein 1915 an der dortigen Universität unterbrochenes Studium der Germanistik, der Kunstgeschichte und der Nationalökonomie setzte er 1918 in Bonn fort. Ohne Studienabschluss begann er 1922 seine journalistische Arbeit bei der „Kölnischen Zeitung“ als Feuilletonredakteur. Für sein Schauspiel „Stab und Stein“ wurde Brües im selben Jahr mit dem mit 10 000 Reichsmark dotierten Dramenpreis des Bühnenvolksbundes ausgezeichnet, der ihn zumindest im Rheinland der Weimarer Republik zeitweise einen höheren Bekanntheitsgrad verlieh.

Brües‘ Arbeit als Schriftsteller und Journalist während des Nationalsozialismus findet in der Literatur unterschiedliche Einordnungen. In seiner Dissertation (1991) über den Schriftsteller schildert Franz Janssen Brües‘ Verhalten und Schreiben bei der Kölnischen Zeitung als „stillen Widerstand“. Sein Eintritt und der weiterer Redaktionsmitglieder in die NSADP 1937 sei, nach Brües selbst, aufgrund von Einstellungsdrohungen gegen die Zeitung erfolgt. „Andere allerdings bezweifelten, dass der beschriebene Druck so zwingend und die innere Distanz zum herrschenden Regime so groß waren wie von ihm beschrieben“, schreibt Dr. Theodor Pelster im LVR-Portal Rheinische Geschichte. Ähnlich kontrovers wird die Verleihung und Annahme des „Rheinischen Literaturpreises“ 1942 bewertet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Brües als Mitläufer eingestuft. „Entnazifiziert, und zwar mit der besten Note, hab ich mich gleichwohl gefragt, inwiefern ich als Mann der Feder eine Schuld habe“, schrieb er in seinen Lebenserinnerungen.

Nach einer Zeit als freier Schriftsteller in Bayern nahm er 1952 eine Stelle als Feuilletonredakteur in Düsseldorf an. Seine Heimatstadt Krefeld stellte ihm ein Haus an der Gutenbergstraße als Wohnsitz zur Verfügung. Es folgte eine letzte Schaffensperiode, doch die Wahrnehmung seiner Publikationen schwand. In der Spielzeit 1955/56 kam es noch zur Uraufführung von „Menander bleibt in Athen“ und 1959/60 folgte das zweiteilige Versdrama „Nansen oder Der Ruf“ mit einem Bühnenbild von Fritz Huhnen. Im Jahr 1962 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Vor allem seine Tochter Eva Brües, die in diesem April 90 Jahre alt geworden wäre, pflegte die Erinnerung an das Werk ihres Vaters. Sein Nachlass befindet sich im Stadtarchiv. Das Wohnhaus an der Gutenbergstraße vermachte die Tochter der Stadt. In diesem befindet sich seit 2012 das Niederrheinische Literaturhaus Krefeld, das ebenso wie der Verein „Literatur in Krefeld“, dort regelmäßig Lesungen veranstaltet.

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