Frühlingsgefühle (Quelle: Fotolia)

Duisburg/Rhein-Ruhr. Die Pflanzen werfen sich in Schale, die Tage werden länger und unsere Hormone spielen verrückt – zu Beginn des Frühlings sprudeln wir gemeinsam mit der Natur über vor Energie. Doch nicht nur Licht und Wärme sind dafür verantwortlich, auch unsere Nase hat ihre Zellen im Spiel.  Warum das so ist und wieso der Frühling einige auch eher müde als fit macht, erklärt Dr. Nikolaus Büchner, Chefarzt der Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin an den Duisburger HELIOS Kliniken.

Die neue Jahreszeit beginnt in der Nase. Zumindest unsere feinen Riechzellen wittern das Sommerhalbjahr lange, bevor wir es fühlen. Denn die Natur regt sich und das duftet, nach frischem Gras oder ausschlagenden Wurzeln. Unser Körper ahnt da bereits, dass es wärmer wird und bringt die Serotonin-Produktion in Schwung. „Das Hormon ist für unser Wohlbefinden verantwortlich und versetzt uns in gute Stimmung, was uns wiederum attraktiver macht“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Nikolaus Büchner, Chefarzt der Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin an der HELIOS St. Johannes Klinik Duisburg. Damit wäre zumindest die allseits überschwappende Flirtlaune, besser als Frühlingsgefühle bekannt, erklärt. Doch nicht nur die Naturdüfte regen den Kreislauf an, auch das zunehmende Licht trägt seinen Teil zu unserem Erwachen bei. Denn es drosselt das Melatonin, das unseren Schlafrhythmus regelt und sorgt für das Ende unseres „Winterschlafes“, gespickt mit einer Vielzahl weiterer positiver Effekte: „Hier spielen vor allem die sozialen Komponenten eine wichtige Rolle. Es ist abends länger hell und wärmer, ergo bleiben wir länger draußen, machen vielleicht mehr Sport und sind eher bereit, nach der Arbeit noch Verabredungen zu treffen. Sozusagen ein schöner Teufelskreis, der uns glücklicher macht“, ergänzt der Schlafmediziner. Damit ist unser gesamter Körper auf Aktivität ausgelegt, wir brauchen weniger Schlaf und werden erst im Herbst wieder ruhiger. Der Winter diente schon in früheren Zeiten der Erholung.

Und noch ein Sinnesorgan mischt bei den Frühlingsgefühlen mit: unsere Augen. Wenn wir gelbe Narzissen am Wegesrand sehen, wirkt das wie ein greller Farbklecks nach dem grauen Winter. Über den Sehnerv gelangt der Eindruck ans Gehirn, das ihn positiv besetzt und Serotonin ausschüttet.

Doch nicht alle Menschen spüren den Energieschub in gleichem Maße. Manche haben mit der sogenannten Frühjahrsmüdigkeit zu kämpfen. „Man weiß nicht sicher, woher dieses Phänomen kommt. Vermuten lässt sich aber, dass ein Überhang von Melatonin dafür verantwortlich ist, der sich im Laufes eines langen Winters bildet“, so Dr. Büchner. Der Experte kann Betroffene aber beruhigen: „Länger als zwei Wochen dürfte die Müdigkeit nicht anhalten.“ Und die beste Therapie wiederum: das Tageslicht.

Helfen kann zudem die Einnahme von Vitamin D während der kalten Jahreszeit, denn das unterstützt nicht nur die Knochen, sondern schützt auch vor Infektionen, die uns schlapp und träge machen.

Bei wem die Müdigkeit aber auch nach einigen Wochen nicht abnimmt, sollte auf jeden Fall einen Arzt um Rat fragen. Denn es kommen auch viele andere Ursachen infrage. Bei anhaltenden Schlafstörungen kann ein Aufenthalt im Schlaflabor sinnvoll sein.

Priv.-Doz. Dr. Nikolaus Büchner, Chefarzt der Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin an den Duisburger HELIOS Kliniken (Foto: Helios)

Weitere Tipps gegen Frühjahrsmüdigkeit:

  • Fenster auf: Wenn Sie viel Zeit im Büro verbringen, sorgen Sie regelmäßig für frische Luft. Sauerstoff belebt die grauen Zellen und vertreibt die Müdigkeit.
  • Bewegen Sie sich ausreichend: Egal ob Walken, Joggen, Fahrradfahren oder ein ausgedehnter Spaziergang – alle Aktivitäten an der frischen Luft kurbeln den Kreislauf an und wirken positiv auf den gesamten Organismus.
  • Ausgehen mit lieben Menschen: Auch wenn es mit der Müdigkeit im Nacken schwer fällt, gehen Sie raus und unternehmen etwas mit guten Freunden oder der Familie – ein Besuch im Theater, ein gemeinsamer Koch- oder Spieleabend oder ein Spaziergang am See. Positive Erlebnisse fördern die Ausschüttung des Glückshormons genauso gut wie Sonnenlicht.
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