Ein gutes Team: FSJ'lerin Sina Thiel hilft bei den Vorbereitungen fürs Mittagessen - genau wie Guiseppe Balbi, der im LVR-HPH-Wohnverbund in Homberg lebt (Foto: LVR/HPH)

Duisburg. Manchmal passt einfach alles, wie bei Sina Thiel.  Die 21-Jährige hatte sich immer einen Beruf mit Kontakt zu Menschen und täglich neuen Herausforderungen gewünscht. Weil die Fachabiturientin außerdem noch mit Menschen mit Behinderung arbeiten wollte, bewarb sie sich im LVR-HPH-Wohnverbund an der Duisburger Straße in Homberg und wurde fündig. Hier absolviert sie zurzeit ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Und schon jetzt steht fest: Es bleibt nicht bei diesem einen Jahr.

Wenn Sina Thiel im Spätsommer mit ihrer Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin beginnt, dann möchte Barbara van der Hammen, Teamleitung des Homberger LVR-Wohnverbundes, sie für eine bestimmte Stundenzahl im Monat anstellen. Denn so begeistert Sina Thiel von ihren Aufgaben an der Duisburger Straße ist, so angetan ist die Chefin von ihrer FSJ’lerin.

Thiels Frühschicht beginnt um sieben Uhr. Sie hilft beim Frühstück, Bettenmachen und Aufräumen, bei den Vorbereitungen fürs Mittagessen, unterstützt die 24 Frauen und Männer, die im LVR-Wohnverbund leben, bei Arztbesuchen oder Einkäufen. Freizeitangebote sind wichtig. Die Fachabiturientin ist dabei, wenn jemand spazieren oder ins Kino gehen möchte. Wer lieber daheim bleibt, weiß, dass Sina Thiel immer Zeit für eine Runde Mensch-ärgere-dich-nicht hat, und wenn zu Weihnachten, Ostern und anderen Festen das Haus dekoriert wird, basteln alle gemeinsam.

„Vom ersten Tag an habe ich mich hier sehr wohl gefühlt, mir hat die Arbeit wirklich gut gefallen“, sagt Thiel. Die Menschen im LVR-Wohnverbund, das Team von Barbara van der Hammen haben sie mit offenen Armen aufgenommen, das hat den Start sehr leicht gemacht. Dabei verschweigt Sina Thiel nicht, dass es auch nicht so schöne Tage gibt, „solche mit schwierigen Situationen“.

Wenn zum Beispiel jemand aus dem LVR-Wohnverbund so genanntes herausforderndes Verhalten an den Tag lege. Wie verbale Beleidigungen.

Aber damit müsse jemand, der in diesen Job wolle, umgehen können. Und meistens sei es so: „Wenn ich dann höre, welche Geschichte dieser Mensch hat, kann ich das Verhalten nachvollziehen, dann verstehe ich, warum jetzt so und nicht anders reagiert wurde.“ Und wenn der- oder diejenige, der bzw. die aggressiv geworden sei, sich wieder beruhigt habe, helfe es, gemeinsam ein Gespräch zu führen. In solchen Situationen werde sie auch vom Team aufgefangen. Und: Auf der anderen Seite nehme sie so viel mit aus dem Alltag im Wohnverbund mit, die schönen Erlebnisse würden deutlich überwiegen.

Sina Thiels Freunde haben gestaunt, als sie begann, im Wohnverbund zu arbeiten. „Der Satz, den ich anfangs immer wieder zu hören bekam, war: Mensch, das könnte ich nicht.“ Für ihre Entscheidung werde ihr sehr viel Respekt entgegen gebracht.

Barbara van der Hammen hat im Laufe ihres Berufslebens viele junge Menschen erlebt, früher als Zivildienstleistende, heute als Freiwillige im Sozialen Jahr. Wer sich für das FSJ im Wohnverbund entscheidet, sagt sie, sollte neugierig, offen, verlässlich und ehrlich sein, und bereit, sich in ein Team einzufügen. „Alles andere kommt.“

Der LVR-HPH-Wohnverbund an der Duisburger Straße in Homberg ist in das Leben der Kommune gut eingebunden, so gibt es unter anderem eine enge Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden. Dass junge Menschen wie Sina Thiel im Haus arbeiten, ist für Barbara van der Hammen auch ein weiterer Schritt in Richtung Inklusion. Denn diese jungen Menschen würden Infos nach draußen, in die Gesellschaft, tragen, als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zeigen, dass das Leben von und mit Menschen mit Behinderung ein ganz normales sei.

Wer sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Duisburger LVR-Wohnverbund oder LVRHeilpädagogischen Zentrum interessiert, dem steht Elias Habig, Mitarbeiter im Regionalmangement, telefonisch unter 0152 09314426 oder per E-Mail an elias.habig@lvr.de gerne zur Verfügung.

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