Stefan Ricken (41) ist Stu00e4ndiger Diakon im Duisburger Westen – die Darstellung der Fuu00dfwaschung steht auf seinem Schreibtisch (Foto: Bischu00f6fliche Pressestelle / Christian Breuer)

Duisburg. Auf dem Schreibtisch steht, geschnitzt aus Holz, eine bekannte biblische Szene: Jesus kniet nieder, um Petrus die Füße zu waschen. Stefan Ricken betrachtet die Skulptur nachdenklich. Jesus sei das Vorbild für den „Dienst am Nächsten“. Ein Dienst, sagt Ricken, „der der Kirche so wichtig ist, dass es dafür ein eigenes Amt gibt.“ Seit rund sechs Jahren bekleidet auch Ricken dieses Amt, er ist Ständiger Diakon.

Das Amt des Ständigen Diakons geht auf die Apostelgeschichte zurück, nach der Männer, die sich in der frühen Kirche bewährt hatten, zu Diakonen geweiht wurden. Auch heute gilt noch, dass sich Diakone als glaubwürdige Menschen bewiesen haben müssen. 35 Jahre ist das Mindestalter für die Weihe, vor der eine fünfjährige Ausbildung steht. Insbesondere sollen sie durch ihr Engagement und ihren Einsatz vor Ort positiv wirken. Sie bringen sich in die Seelsorge vor Ort ein, begleiten Menschen an verschiedenen Punkten ihres Lebens und feiern Gottesdienste wie Taufen, Beerdigungen und Trauungen. Außerdem können sie in der Sonntagsmesse predigen. Anders als ein Priester kann der Ständige Diakon verheiratet sein.

So wie Stefan Ricken. Der 41-Jährige hat eine Frau und zwei Kinder, seine Familie hält ihm den Rücken frei. „Sonst ginge das gar nicht“, erklärt er. Zwar habe er keine 24-Stunden-Rufbereitschaft, dennoch kostet sein Engagement für die Kirche viel Zeit. „Es ist ein Stück Lebenshingabe, ich gebe meine Person in einen größeren Zusammenhang“, erklärt er. Schon seit seiner Jugend sei es für ihn klar gewesen, in der Kirche einen Dienst verrichten zu wollen. „Priester zu werden war eigentlich kein Thema“, erinnert sich Ricken zurück, „ich bin sehr bewusst in den karitativen Bereich gegangen.“ Nach seinem Zivildienst arbeitete er zunächst mehr als zehn Jahre als Krankenpfleger in der häuslichen Pflege, seit 2009 ist er im Duisburger Westen für die Gemeindecaritas tätig. Nächstenliebe sei natürlich ohne Weihe möglich, sagt Ricken, „aber mir war es wichtig, ein festes ,Ja‘ zu sagen zum Dienst und zur Verfügbarkeit für Jesus Christus.“

Obschon Diakone liturgisch tätig sind, seien sie keine Konkurrenz zu den Priestern, betont Ricken. Vielmehr seien sie eine wichtige und wertvolle Ergänzung zu deren Dienst. „Wir können in einigen Situationen andere Sichtweisen und Erfahrungen mitbringen“, sagt er. „Ich bin hier in Homberg aufgewachsen, kenne den Stadtteil und die Akteure vor Ort und weiß, mit welcher Sprache ich die Menschen erreichen kann und wie ich ihnen in der Begegnung nahe kommen kann.“ Denn Kirche, sagt Ricken, „findet an vielen Orten statt und braucht Gesichter.“

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