Rund 40 Gu00e4ste haben im Homberger Pfarrheim den Heiligen Abend gemeinsam gefeiert (Foto: Bischu00f6fliche Pressestelle / Christian Breuer)

Duisburg. Als der Wildschweinbraten mit Kroketten und Buttergemüse auf dem Teller dampft und Pfarrer Thorsten Hendricks auf dem Klavier leise „Es ist ein Ros entsprungen“ spielt, da wird sie plötzlich greifbar, die Weihnachtsstimmung. Viele unterschiedliche Menschen haben sich am frühen Nachmittag des 24. Dezember im Pfarrheim von St. Johannes in Duisburg-Homberg zusammengefunden.

Einige würden an diesem Tag alleine zu Hause sitzen, anderen hat das Schicksal übel mitgespielt, manche hätten nicht das Geld, sich ein richtiges Weihnachtsmenu zu leisten. Und dann sind da noch die, die für genau diese Menschen da sein wollen, mit ihnen den Heiligen Abend verbringen möchten, ihnen zeigen, dass auch sie zur Gesellschaft gehören.

Eine der Helferinnen, die die rund 40 Gäste beim „offenen Heiligen Abend“ unermüdlich bewirten, ist Ursula Müller. Zum dritten Mal ist sie dabei, „gerade an solchen Tagen wie heute ist das wichtig“, sagt sie über das Angebot der Pfarrei. Seit drei Jahren wird im Pfarrheim an jedem Werktag ein offener Mittagstisch angeboten, seither hilft sie. Selbstverständlich auch am Heiligen Abend, wie sie betont. „Meinen Mann habe ich direkt mitgebracht“, sagt sie lächelnd, bevor sie dem nächsten Gast einen vollen Teller des dreigängigen Menus bringt. „Beim Mittagstisch bieten wir das Essen für wenig Geld an, heute sind alle eingeladen“, betont sie.

Diakon Stefan Ricken geht derweil von Tisch zu Tisch, spricht mit den Menschen, die der Einladung gefolgt sind. „Es sind mehr Gäste als in den Jahren zuvor“, stellt er fest. Viele bekannte Gesichter sind darunter, doch auch Menschen, die noch nie zuvor im Pfarrheim waren, entdeckt er. So wie den Mann, der seinen Namen lieber nicht in den Medien lesen möchte. Ganz kurzfristig hat er sich angemeldet, gerade erst ist seine Beziehung zerbrochen: „Ich wusste nicht, was ich machen soll. Da habe ich von dem Angebot gelesen und bin hier hingekommen. Sonst würde ich jetzt alleine zuhause sitzen. Hier sind andere Menschen, ein großer Tannenbaum und eine schöne Krippe. Das gehört doch dazu.“ Er bleibt für die anderen Gäste nicht lange ein Fremder. Schnell ist er mittendrin im Gespräch, es geht um Weihnachtserinnerungen. Da kann jeder mitreden.

Geredet wird an dem Nachmittag noch viel, außerdem werden Geschichten erzählt, Pfarrer Hendricks spielt weitere Weihnachtslieder, später gibt es noch Kaffee und Kuchen. Wer möchte, geht am Ende noch mit in die Christmette, mit dem guten Gefühl, den Heiligen Abend nicht einsam verbracht haben zu müssen.

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