Rhein-Ruhr. Warum wird die Forderung nach dem Ausstieg aus der Braun- und Steinkohle immer lauter? Bei der Verbrennung insbesondere von Braun- aber auch sehr stark von Steinkohle in Kraftwerken wird viel Kohlenstoffdioxid (CO2) freigesetzt, das weltweit zur Klimakrise führt. Auswirkungen dieser Klimakrise haben wir auch schon in Deutschland erlebt. Hochwasser, Überschwemmungen, die Stürme Ela und Kyrill mit ihren großen Schäden hier in NRW sind vielen noch im Bewusstsein. Wir wissen, dass diese Extremwetterereignisse durch die Klimakrise häufiger und schlimmer werden.

Ohne stärkere Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise dürften laut Studien in Deutschland rund 800 Milliarden an Kosten/Schäden bis zum Jahr 2050 anfallen. Hier geht es um Immobilien- und Infrastrukturschäden, Ernteausfälle, höhere Energiepreise (Stromangebot wird im Sommer knapper, weil große Kraftwerke kein kühlendes Flusswasser mehr haben) oder höhere Gesundheitskosten, weil auf einmal subtropische Krankheiten wie Malaria in Deutschland möglich sind. Auch werden zunehmend Klimaflüchtlinge aus Afrika oder dem Nahen Osten nach Deutschland kommen, weil dort die klimatischen Auswirkungen ein Überleben nicht mehr ermöglichen.

Deswegen müssen wir beim CO2 Ausstoß umsteuern. Alle Sektoren müssen ihren Beitrag bringen, aber Erdöl und die Kohleverstromung sind entscheidende Bereiche. Hier wiederum ist besonders stark NRW betroffen. Rund um die Steinkohle des Ruhrgebiets und die rheinische Braunkohle entstand der größte Kraftwerkspark Europas, der heute noch 21 Prozent zur gesamtdeutschen Stromerzeugung beiträgt. Die Anzahl der Arbeitsplätze ist zwar stark zurückgegangen, die tätigen Unternehmen wie RWE oder E.on sind aber immer noch wirtschaftliche Schwergewichte.

Wenn wir es mit dem Klimaschutz ernst meinen, müssen wir hier ansetzen. Die Industrieländer, also auch Deutschland, haben sich international verpflichtet (Pariser Klimaabkommen) ihre klimaschädlichen Gase bis zum Jahr 2050 fast auf Null zu reduzieren. Da das CO2 in der Atmosphäre nur nach vielen 100 Jahren abgebaut wird, müssen wir so früh wie möglich beginnen, d.h. wir müssen innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte die Kohleverstromung sozialverträglich auslaufen lassen. Nicht nur in NRW, sondern bundesweit. Das ist hart für die Menschen, die in der Kohlbranche arbeiten, aber an die Stelle tritt etwas anderes, das mehr gesellschaftliche Vorteile bietet. Es gibt viele Unternehmen in NRW, die ihr Geld mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien oder Energieeffizienz verdienen. Diese Arbeitsplätze haben wir zu stark anderen Bundesländern überlassen. Das muss und kann sich auch in NRW viel mehr steigern.

Über Solaranlagen auf Dächern und Mieterstrommodelle werden zunehmend auch Menschen mit kleinerem Einkommen von der Energiewende über geringere Stromkosten profitieren, weil die Solarstromproduktion nur noch 10 – 12 Ct/kWh kostet.

Handwerker werden davon profitieren. Unter dem Strich werden mehr Arbeitsplätze geschaffen und die Stromerzeugung dezentralisiert.

RWE und E.on sind viel zu spät aber inzwischen auch in die Branche der Erneuerbaren Energien eingestiegen, weil sie eingesehen haben, dass Kohle keine Zukunft hat. Unsere Generation hat die Klimakrise verursacht, nur unsere Generation kann die Klimakrise lösen. Wir können unseren Kindern und Enkeln nicht eine Welt überlassen, die immer mehr aus den Fugen gerät.

 

Ein KlarKlick von Bärbel Höhn, Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im Bundestag; Bundestagsabgeordnete der Bündnis 90/ DIE GRÜNEN für Oberhausen und Dinslaken (WK 117 Oberhausen – Wesel III)

 

 

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