Horst Vu00f6ge (Mitte) sprach vor dem Kreiskomitee der Katholiken im Kreis Wesel u00fcber die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Rente (Foto: Bischu00f6fliche Pressestelle / Christian Breuer)

Kreis Wesel. Wenn vom „demografischen Wandel“ die Rede ist, geht es meist darum, dass die Gesellschaft immer älter wird. Eine Tatsache, die sich mit Zahlen belegen lässt. Darüber sprach Horst Vöge, früher Landtagsabgeordneter der SPD und heute Landesvorsitzender des Sozialverbands VDK, vor dem Kreiskomitee der Katholiken in Wesel. „Hier wird es“, sagte Vöge, „bis zum Jahr 2030 rund 30 Prozent mehr Menschen geben, deren Alter mindestens 65 Jahre beträgt.“ Das bedeute gleichzeitig, dass auch die Zahl der Rentner entsprechend steige.

Rund drei Prozent der Bevölkerung würden an Altersarmut leiden, berichtete Vöge bei seinem Vortrag im Weseler Ludgerushaus. Doch bei einem weit größeren Anteil der Bevölkerung gebe es, zum Teil irreale, Ängste davor, im Alter in Armut leben zu müssen. Dabei hänge diese Entwicklung immer mit vielen sowohl individuellen als auch gesellschaftlichen Faktoren zusammen. „Eine Scheidung ist für eine Frau oft ein Weg in die Armut“, erklärte er. Problematisch werde es ebenso bei der Pflege eines Angehörigen: „Im Kreis Wesel haben wir derzeit 19.000 Menschen, die gepflegt werden, 70 Prozent davon zuhause, meist von Frauen. Sobald sie professionelle Hilfe durch einen ambulanten Pflegedienst annehmen, gibt es sofort einen Abzug bei der Rente.“

Als ein „großes Einfallstor in die Altersarmut“ nannte Vöge die Erwerbminderungsrente, die auf Grund der Zunahme psychischer Erkrankungen eine immer größere Rolle spiele. Die Forderung des VDK sei es, Armutsfaktoren zu beseitigen oder zumindest zu minimieren. So nannte er beispielsweise einen höheren Freibetrag bei der Grundsicherung, aber auch eine bessere Bewertung der Pflege eines Angehörigen: „Pflege darf nicht bestraft, sie muss belohnt werden.“

Der Vorsitzende des Kreiskomitees der Katholiken im Kreis Wesel, Michael van Meerbeck, dankte Vöge für seine Ausführungen. „Als Kirche könnten wir bestimmte Forderungen unterstützen“, sagte er – und verknüpfte das mit einem Denkanstoß: „Gerade vor den Wahlen sollten wir uns mehr verbünden mit anderen Verbänden und Einrichtungen, um gemeinsam mehr zu erreichen und in der Politik gehört zu werden.“

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