Krefeld. Die intraoperative Strahlentherapie bietet die Möglichkeit, die Strahlendosis während der brusterhaltenden Operation unmittelbar im Tumorbett zu applizieren. Bei der Behandlung von Brustkrebspatientinnen wird das Verfahren in enger Kooperation mit den Gynäkologen angeboten.

Patientinnen, die aufgrund einer Brustkrebserkrankung operiert werden müssen, profitieren am HELIOS Brustzentrum Linker Niederrhein fortan von einem innovativen Verfahren, das eine Bestrahlung schon während des Eingriffs möglich macht. „Nach der chirurgischen Tumorentfernung können wir das Tumorbett direkt bestrahlen und empfindliche Strukturen aus dem Bestrahlungsfeld heraushalten. Dadurch kann eine stärkere Dosis verabreicht werden, die eine hohe Effektivität mit geringen Nebenwirkungen verbindet“, verdeutlicht Dr. Michael Daum-Marzian, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie und radiologische Onkologie, die Vorteile der intraoperativen Strahlentherapie (IORT), die er gemeinsam mit den Gynäkologen plant und durchführt. „Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit ist bei diesem Vorgehen von größter Wichtigkeit.“

Beim IORT-Verfahren wird eine Bestrahlung mittels niederenergetischer Röntgenstrahlung durchgeführt. Über spezielle Applikatoren, die mit dem Bestrahlungsgerät verbunden sind, wird nach einem zuvor von Medizin-Physikern berechneten Plan die Strahlung hochpräzise in den zu bestrahlenden Bereich eingebracht. Dazu wird nach der chirurgischen Tumor-entfernung in der Brust ein kugelförmiger Applikator exakt im Tumorbett positioniert.

Die vom Strahlentherapeuten verordnete Dosisverteilung wird durch Variation der Applikatorgröße und Bestrahlungszeit der speziellen Erkrankungssituation und Form des Tumors angepasst. „Die gesamte strahlentherapeutische Maßnahme – also die Platzierung des Applikators, Therapieplanung und Durchführung – erfolgt, während die Patientin noch in Narkose ist. Nach der Bestrahlung, die etwa 20 Minuten dauert, wird der Applikator wieder entfernt und die Operation zu Ende geführt“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Stefan Krämer, Leitender Arzt des Brustzentrums, den Ablauf. „Internationale Erfahrungen bestätigen die weitere Verbesserung der lokalen Sicherheit durch das IORT-Verfahren. Das ist ein Gewinn in der Behandlung von Brustkrebspatientinnen.“

Bei der Einführung der intraoperativen Strahlentherapie kooperiert das HELIOS Klinikum Krefeld mit dem HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal, wo das Verfahren auch angeboten wird. „Von unserem regelmäßigen Austausch profitieren beide Häuser und die Patientinnen“, so der erfahrene Experte für gynäkologische Onkologie.

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