Chefarzt Prof. Mike Ralf Langenbach und Ju00fcrgen Drese bei einer Nachuntersuchung (Foto: HELIOS)

Oberhausen/Duisburg. Jürgen Drese aus Duisburg hat in den letzten Jahren einiges durchgemacht: Tumore an den Nieren und der Lunge, Wunden, die nicht heilen wollten und letztlich eine monströse Beule an seinem unteren Rücken, hervorgerufen durch einen großen Narbenbruch in seinem Inneren. Knapp zwei Jahre lang schränkte ihn die Riesenhernie stark ein, bis sich Prof. Mike-Ralf Langenbach, Chefarzt der Chirurgie in der HELIOS St. Elisabeth Klinik Oberhausen Dreses Fall annahm und zu besonderen Maßnahmen griff. 

Als Jürgen Drese zum ersten Mal in die HELIOS St. Elisabeth Klinik kam, hatte er schon eine wahre Odyssee hinter sich. Alles begann mit der Diagnose Nierenkrebs. Zur Behandlung musste er sich verschiedenen Operationen unterziehen, bei denen immer wieder seine rechte Flanke geöffnet wurde und die Muskeln dort durchtrennt werden mussten. „Die vielen Eingriffe haben mein Gewebe allerdings so geschwächt, dass sich ein Narbenbruch bildete“, sagt der Duisburger. Diesen zu beheben galt aus Sicht der Ärzte, mit denen er zunächst redete, als schwierig. Auf eine Empfehlung hin wandte sich Jürgen Drese allerdings an Prof. Dr. Mike Ralf Langenbach, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Vizeralchirurgie und Coloproktologie  an der Oberhausener HELIOS-Klinik und Experte auf dem Gebiet der Hernien-Operationen. Er besprach mit seinem Patienten die Optionen und zog auch Dr. Roman Lisovets, Leiter des Zentrums für Plastische Chirurgie hinzu. Die beiden entschlossen sich, Jürgen Drese gemeinsam zu helfen.

Während der Operation löste Prof. Langenbach die bisherigen Verwachsungen, die durch die vielen vorherigen Eingriffe entstanden waren. Er behob anschließend den Narbenbruch und implantierte ein spezielles Netz, um das in Mitleidenschaft gezogene Gewebe zu stabilisieren. Zudem festigte Roman Lisovets die Schwachstelle mit einem Schwenklappen: Er nutzte ein Stück vom Latissimus, dem großen Rückenmuskel des Patienten. Das Ergebnis war zunächst für alle zufriedenstellend. Doch leider entwickelte sich eine Entzündung, gepaart mit einer Wundheilungsstörung. „Herr Drese hat das eingesetzte Netz nicht gut vertragen. Das kann bei einem gewissen Prozentsatz der Patienten vorkommen. Durch seine Chemotherapie war sein Organismus zudem so geschwächt, dass er anfälliger für Infektionen war, die Wunde entzündete sich“, erläutert Prof. Langenbach. Der Chirurg musste daraufhin die Wunde operativ säubern und einen Teil des Netzes wieder entfernen. Doch damit nicht genug: „Das Netz ist einige Zeit danach ausgerissen, meine Innereien rutschten durch die entstandene Lücke. An meinem Rücken entstand eine riesige Beule“, beschreibt Jürgen Drese.

Der Auswuchs habe sein Leben bestimmt. „Ich war stark eingeschränkt, konnte keinerlei Sport mehr ausüben, nicht mehr vernünftig schlafen, da ich kaum liegen konnte“, sagt der 64-Jährige. Und dabei war er immer aktiv, fuhr Autorennen, betrieb Kampfsportarten wie Thaiboxen und Judo. Erst habe ihm der Krebs übel mitgespielt, dann der Narbenbruch.

Knapp zwei Jahre lang lebte er mit der Beule. „Scheinbar traute sich kein Arzt da heran. Ich sollte mir ein Mieder umschnallen und erst einmal abwarten. Ein Eingriff sei zu risikoreich.“ Als der Leidensdruck zu groß wurde, wandte sich Jürgen Drese erneut an Prof. Langenbach. Der Mediziner spricht rückblickend von einem monströsen Ausmaß – die Aussackung zeigte sich sichtbar mit einem Maß von 50×40 Zentimetern und enthielt zwei Drittel des Dünndarms. Prof. Langenbach entschloss sich, Jürgen Drese noch einmal zu operieren. Diesmal änderte der Chirurg jedoch seine Vorgehensweise. „Bei der Rezidiv-Hernie nutzten wir ein Netz aus Polyester, ein Material, das eine bessere Verträglichkeit gezeigt hat. Zudem haben wir die Unterkante des Netzes mit kleinen Knochenankern direkt am Beckenkamm befestigt“, erklärt er. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass das Netz sich wieder löst. Der sogenannte Bruchsack wurde entfernt, so dass der Körper von Jürgen Drese seine ursprüngliche Form zurückerhielt. Darüber ist der Duisburger heute mehr als glücklich. Zwar hat sich anschließend Flüssigkeit in dem beanspruchten Gewebe gesammelt, so dass er sich zwischendurch erneut in die Klinik begeben musste. „Aber die Behandlung ist bislang zu 90 Prozent erfolgreich verlaufen und wir sind guter Hoffnung, dass wir auch diese normalen Nachwirkungen noch beheben können“, sagt Prof. Langenbach.

Jürgen Drese ist froh und dankbar, dass der Chirurg sich seines Falls angenommen und ihm dadurch schon viel Lebensqualität zurückgeschenkt hat. Er traut sich wieder, Pläne zu schmieden. „Bevor das alles losging, habe ich mir ein nagelneues Fahrrad gekauft. Und mein Ziel ist es, schon bald darauf zu fahren.“

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