Rhein-Ruhr. Es ist ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft, wenn ich die wachsende Kinderarmut in Deutschland sehe.

Es passt gut, gerade am Nikolaustag dieses Thema „Kinderarmut“ in den Mittelpunkt zu rücken. Dem berühmten Bischof von Myra haben vor allem die notleidenden, die benachteiligten Kinder, wie wir heute sagen würden, am Herzen gelegen.

Vielleicht ist es ja gerade der Duft von Gewürzen und Schokolade in der Nase, der den Blick schärft für die, die nicht auf der Schokoladenseite des Lebens stehen.

Fast jedes vierte Kind in Duisburg und Umgebung lebt in Armut oder wird von Armut bedroht. Das sind fünf bis acht Kinder aus einer Schulklasse. Haben Sie noch nicht bemerkt? Können Sie auch kaum. Kinderarmut in Deutschland ist fast unsichtbar, subtil, unbarmherzig.

Die Kinderarmut in Deutschland ist nach wie vor erschreckend hoch. Das Deutsche Kinderhilfswerk geht, auch unter Berücksichtigung aktueller, migrationsbedingter Zuwanderungsprozesse, von rund drei Millionen Kindern und Jugendlichen in Deutschland aus, die von Armut betroffen sind. An diesem Trend haben auch positive wirtschaftliche Entwicklungen im Land kaum etwas ändern können.  

Konkret bedeutet dies zum Beispiel, dass für Spielzeug gerade mal 0,76 Euro im Monat ausgegeben werden können. Für Kinderschuhe stehen nicht mehr als 4,40 Euro monatlich zur Verfügung. Essen und Trinken dürfen für ein Kind am Tag nicht mehr als 2,40 Euro kosten.

Wenn Kinder unter solchen Bedingungen groß werden, verursacht dies meist auch einen Mangel an Gesundheit, Teilhabe, Bildungs- und Ausbildungschancen. Armut nimmt diesen Kindern ein Stück ihrer Zukunft. 

Eine Erfolgsstory ist unser Kinderhilfsprojekt „KiPa-cash-4-kids“ in Duisburg. Das Projekt wurde vor 4 Jahren vom Projekt LebensWert gegründet und fördert Bildungs- und Freizeitangebote für benachteiligte Kinder und Jugendliche im Duisburger Norden.

Das kann eine Patenschaft für ein Kind sein, eine Mitgliedschaft in einem Sportverein, für ein anderes Kind der Unterricht an der örtlichen Musikschule oder die Teilnahme an einer Klassenfahrt. Die Teilnahme an einem Ausflug einer Kirchengemeinde gehört genauso dazu wie die Unterstützung eines Kindes bzgl. „Therapeutisches Reiten“. Hauptsache, die Kinder können durch eine solche Förderung entdecken, wo ihre Stärken liegen. Es kann doch nicht sein, dass viele Kinder bei uns in Deutschland nicht mehr schwimmen können.

Vieles hat das Projekt „KiPa-cash-4-kids“ bereits bewirkt. Allerdings reicht es nicht aus, um die bedrückende Realität vieler Kinder zu verändern. Hierzu braucht es politischen Willen, wirtschaftliches Umsteuern und nicht zuletzt das Engagement vieler Einzelner, ganz in der Spur des Heiligen Nikolaus.

Er hat vor allem armen Kindern geholfen. Den Kinder, welche in einer sonst so reichen Gesellschaft immer etwas zu kurz kommen, würde der Heilige Nikolaus heute auch helfen. Über verdeckte Kinderarmut wird nicht oft gesprochen und geschrieben. 

Nikolaus ist der Patron der Schüler und Studenten, Pilger und Reisenden, Liebenden und Gebärenden, der Alten, Ministranten und Kinder, aber auch von Dieben, Gefängniswärtern, Prostituierten und Gefangenen. Aus dem Schutzpatronat für die Kinder leitet sich das heutige Brauchtum ab.

 

Ein KlarKlick von Pater Tobias, Abtei Hamborn und Pfarrer der Gemeinde Herz-Jesu, Duisburg-Neumühl

 

InfoKlick: Abtei Hamborn und Gemeinde Herz-Jesu

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