Duisburg. Der Aufenthalt in einem Krankenhaus verlangt den Patienten emotional einiges ab – viele neue Gesichter, eine fremde Umgebung und die Gewissheit, zumindest einen Teil seines Lebens in die Hände der Medizin gelegt zu haben. Wie aber fühlt es sich erst an, wenn Betroffene sich im wahrsten Sinne des Wortes blind auf Ärzte und Pflege verlassen müssen, so wie Heinz Schwarz, Patient im HELIOS Klinikum Duisburg, der mit Mitte 50 sein Augenlicht verlor.

Herr Schwarz, wann waren Sie das letzte Mal im Krankenhaus?

Gerade erst vor kurzem bei Ihnen, weil ich auf Empfehlung meines Hausarztes noch mal ein paar Nächte im Schlaflabor verbringen sollte.

 

Und wie haben Sie den Aufenthalt erlebt?

Da ich die Gegebenheiten dort schon kannte, konnte ich mich sicher und entspannt bewegen. Außerdem ist das Team wirklich herzlich und immer für kleine Scherze zu haben. Das macht auch „blindes Vertrauen“ leichter.

 

Was nehmen Sie als erstes wahr, wenn Sie ein Krankenhaus betreten?

Da überlasse ich tatsächlich meiner Nase den ersten Schritt und unterscheide mich hier wahrscheinlich gar nicht so sehr von sehenden Menschen. Denn dieser typische, leicht sterile Geruch ist für viele das erste, was sie wahrnehmen, wenn sie eine Klinik betreten. Direkt danach kommen bei mir die Ohren zum Zuge, denn oftmals gelangt man ja zunächst in eine Art Eingangshalle, meist ein großer Raum mit viel Hall. Wenn hier viel los ist, kann es für mich manchmal etwas unangenehm laut werden und die Orientierung fällt mir schwerer.

 

Wie finden Sie sich dann weiter in der Klinik zurecht?

Wenn ich ein Gebäude noch nicht kenne, habe ich meist jemanden aus der Familie oder dem Freundeskreis als Begleitung dabei. Das gibt mir dann zusätzliche Sicherheit und spart Zeit, weil ich nicht ständig nach dem Weg fragen muss. Handläufe oder sprechende Aufzüge sind zusätzliche Hilfsmittel. Bin ich einmal auf dem Zimmer und habe einen kleinen Rundgang gemacht, ist es kein Problem. Dann gehe ich auch entspannt draußen oder auf dem Flur spazieren.

 

Welche anderen Faktoren beeinflussen Ihr Wohlbefinden im Krankenhaus?

Zum Teil laute Geräusche, etwa wenn mein Zimmernachbar schnarcht, aber das geht ja jedem so. Noch wichtiger ist für mich allerdings das entspannte Vertrauensverhältnis zu Ärzten und Pflegekräften. Das entsteht bei mir vor allem durch Gespräche, in denen ich viel aus Stimme und Tonlage heraushören kann. Wenn jemand unsicher ist, wie er mit mir umgehen soll, freue ich mich wenn er einfach ganz offen danach fragt. Auch ist es für mich angenehmer, wenn eine Berührung, etwa bei einer Behandlung, vorab angekündigt und kurz beschrieben wird. Ein absolutes No Go ist es, wenn mich jemand einfach hinter sich herzieht. Da verliere ich schnell die Orientierung.

 

Apropos Orientierung: Was können Krankenhäuser noch verbessern, um blinden Patienten oder Besuchern den Aufenthalt zu erleichtern?

Es gibt ein paar bauliche und technische Kniffe, die grundsätzlich immer eine große Hilfe sind, etwa Handläufe mit Zimmerzahlen, durchgängige Geländer oder Bodenunebenheiten vor Treppen und Türen. Aber noch wichtiger ist ein offenes und freundliches Team, das keine Berührungsängste hat. Und vielleicht ein Hörbuchverleih.

(Interview mit dem Duisburger Heinz Schwarz im HKD) 

 

Zur Person

Aufgrund eines angeborenen Glaukoms verliert Heinz Schwarz bereits mit 28 sein rechtes Auge. Doch das hält den begeisterten Sportler nicht lange auf. Neben dem Wasserballbecken macht er auch die Tennis und Squashplätze Duisburgs unsicher, arbeitet erfolgreich als Kommunikationsberater und baute eine Werbeagentur auf. Doch mit Mitte 50 wird sein linkes Auge ebenfalls schwächer. Die Diagnose: Grüner Star. Schließlich erblindet er 2004 ganz und muss lernen, sich in vollständiger Dunkelheit zurechtzufinden. Heute, mit 67, steht der Familienvater wieder mit beiden Beinen im Leben und, natürlich, auf dem Sportplatz.

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