Bu00fcrgermeister Christoph Fleischhauer besuchte den Stand der Gleichstellungsbeauftragten Barbara Folkerts (l.) und ihrer Stellvertreterin Kornelia Hormes (Foto: pst)

Moers/Oberhausen/Kreis Wesel. Weltweit wird jährlich am 25. November der Internationale Gedenktag „Nein zu Gewalt an Frauen“ begangen. Auch vor dem Moerser Rathaus war an diesem Freitag die Fahne mit der Aufschrift „Frei leben – ohne Gewalt“ gehisst.

Die Gleichstellungsstelle der Stadt Moers hat außerdem Informationsmaterialien im Foyer des Rathauses verteilt und damit ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen gesetzt. In Moers waren im Jahr 2015 beispielsweise 48 Frauen Opfer sexueller Gewalt und 155 Opfer psychischer und physischer Gewalt. Gegen 55 Männer musste die Polizei einen Wohnungsverweis und ein Rückkehrverbot zum Schutz vor häuslicher Gewalt aussprechen. Die Gleichstellungsbeauftragte Barbara Folkerts möchte in diesem Zusammenhang auf das mehrsprachige bundesweite Hilfetelefon unter der Rufnummer 08000/116016 hinweisen.

Vor 16 Jahren wurde der 25. November von den Vereinten Nationen (UN) zum internationalen Aktionstag gegen Gewalt an Frauen erklärt. Die Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes hat für Deutschland als Teil der internationalen Bewegung die Fahnenaktion ins Leben gerufen. Seit 2001 setzen sie bundesweit immer mehr Städte und Gemeinden um. 

 

Die Kreisverwaltung Wesel setzt mit der Beflaggung vor dem Kreishaus ein Zeichen und unterstützt die Bewegung „Gegen Gewalt an Frauen“ von Terre des Femmes. Aus diesem Anlass hat der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt an Frauen und Kindern im Kreis Wesel am Mittwoch, 23. November, eine Fachtagung zum Thema „Häusliche Gewalt und sexualisierte häusliche Gewalt“ im Weseler Kreishaus veranstaltet.

„Für Frauen ist das Risiko, durch einen Beziehungspartner Gewalt zu erfahren weit aus höher, als von einem Fremden tätlich angegriffen zu werden. Häusliche Gewalt ist die häufigste Ursache von Verletzungen bei Frauen, häufiger als Verkehrsunfälle und Krebs zusammen genommen“, so Kreisdirektor Ralf Berensmeier in seiner Begrüßungsrede. Petra Hommers, Gleichstellungsbeauftragte der Kreisverwaltung Wesel, wies in ihren Begrüßungsworten darauf hin, dass die Fachtagung sich auch auf sexualisierte Gewalt bezieht und diese Form der Gewalt sich hauptsächlich gegen Frauen und Mädchen richtet.

Dem teilnehmenden Fachpublikum wurden geballte Informationen geboten: Anhand eines Fallbeispiels zur Vorgehensweise bei der Beratung erklärten Axana Getzlaff, Frauen helfen Frauen e.V. Moers, und Martina Peipe-Termath, Frauenberatungsstelle Wesel, die Vielschichtigkeit ihrer Tätigkeit. Die Beratungsstellen sind nach der Polizei die ersten Ansprechpartner. Sie beraten die Opfer und begleiten diese auf ihrem Weg zum Ausstieg aus der Gewalt.

Isabel Sasse, eine engagierte Rechtsanwältin u.a. für den Bereich Opferschutz, hielt im Anschluss den Vortrag „Aktuelle Reformen des Sexualstrafrechts“. Ihre intensive Auseinandersetzung mit dem Gesetzestext gab sie in leicht verständlicher Sprache an die Teilnehmenden weiter. Das novellierte Sexualstrafrecht ist am 10.11.2016 in Kraft getreten. Es bleibt jedoch noch abzuwarten, ob die Änderungen es zukünftig der Rechtsprechung einfacher machen, Täter zur Verantwortung zu ziehen.

Einen besonders beeindruckenden Vortrag hielt Dr. Christian Lüdke, der u.a. auch  als Kinder- und Jugendpsychotherapeut tätig ist. Er beschrieb eine mögliche Geschichte von häuslicher Gewalt. Diese beginnt mit Ironie, Zynismus und Sarkasmus als unterschwelligen Aggressionen, die früher oder später durchbrechen können. Er  zeigte den schleichenden und erschreckenden Prozess auf, von einer anfangs oftmals glücklichen Beziehung in eine gewalttätige Hölle. Fazit seines Vortrages: Den Opfern von häuslicher Gewalt muss immer wieder deutlich gemacht werden, dass die Schuld für die Tat allein beim Täter liegt. Die Teilnehmenden des Fachtages erfuhren aus dem Vortrag von Hilfestellungen, die auch sie betroffenen Personen bieten können. Denn je größer die Wertschätzung ist, die einem Menschen in einer solchen oder ähnlich schlimmen Situation zu Teil wird, desto schneller kann die Heilung erfolgen. Der Blick sollte nach vorne gerichtet sein, nicht zurück.

Petra Hommers, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Wesel, ist zufrieden mit dem Fachtag und betont, wie wichtig es ist, vor dem Thema „Häusliche Gewalt“ nicht die Augen zu verschließen: „Die Fachtagung hat allen Teilnehmenden wieder einmal deutlich vor Augen geführt, wie alltäglich häusliche Gewalt in unserer Gesellschaft leider immer noch ist. Wir alle sind aufgerufen, aufmerksam zu sein und so möglichen Opfern besonders früh helfen zu können.“ 

Auch die die Kreisverwaltung Wesel setzte ein Zeichen (Foto: privat)

 

Die Bürgerliste Oberhausen greift die mahnende Aktion auf und hat heute 24 Stunden lang an der Geschäftsstelle an der Marktstraße 133 Banner und damit Flagge gezeigt. Die Botschaft: „Wir wollen ein Zeichen setzen“, erklärt Andrea-Cora Walther, Ratsfrau der Bürgerliste in Oberhausen. „NEIN zu Gewalt an Frauen!“

Die Gewalt ist alltäglich und in unserer Nähe. Sie betrifft uns alle. Die Ereignisse in der Silvesternacht 2015/2016 in Köln und in anderen Städten haben tiefe Spuren in der deutschen Gesellschaft hinterlassen. Sogar der Deutsche Bundestag kam nicht umhin, umgehend das Sexualstrafrecht zu verschärfen. Mit dieser deutlichen Verschärfung reicht es für die Strafbarkeit jetzt, sich über den „erkennbaren Willen des Opfers“ hinwegzusetzen. Die Bürgerliste erneuert heute die Forderung nach niedrigschwelliger, flächendeckender Stärkung beratender und unterstützender Angebote für Opfer jeglicher Gewalt.

Andrea-Cora Walther macht noch einmal deutlich: „Ich gehe davon aus, dass eine gesellschaftliche Akzeptanz für die wirksame Beseitigung jeglicher Gewalt gegen Schwächere nur durch eine permanente Auseinandersetzung mit der Problematik zur Sensibilisierung aller erreicht werden kann.“ In Oberhausen gibt es schon etliche Angebote, die durch die Arbeit der Gleichstellungsstelle vernetzt und unterstützt werden. Ob Frauenhaus, Frauenberatungsstelle, „no name“, CEVI, allen ist klar, in einer Gesellschaft, in der Solidarität und Miteinander immer weiter zurückgedrängt wird, reicht es bei weitem nicht aus. „Es gibt noch viel zu tun. Gehen wir den Weg gemeinsam“, so Walther.

Physische und psychische Gewalt, sei es im eigenen Haus oder außerhalb, Vergewaltigung, Weibliche Genitalverstümmelung, Gewalt im Namen der Ehre und Zwangsverheiratung, Prostitution und Frauenhandel, jede Gewalt gegen Frauen und Schwächere trägt ein anderes Gesicht – nicht nur in Oberhausen Die Bürgerliste wird nicht aufhören, hinzusehen, zu erinnern und aktiv mitzuwirken bei der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Schwächere.  

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