Marius Niering ist Gewerkschaftssekretär der NGG-Region Krefeld-Neuss und Verhandlungsführer der NGG-Tarifkommission (Foto: NGG)

Krefeld. Am Dienstag findet eine achtstündige Betriebsversammlung beim Keksproduzenten Wilhelm Gruyters in Krefeld statt. Nachdem die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten des Traditionsbetriebes (gegründet 1863) bisher ergebnislos geblieben sind, besteht Redebedarf. Ende 2014 hat Herr Gruyters den Betrieb an zwei Gesellschafter verkauft. Jahrelang befand sich der Betrieb in der Tarifbindung der Süßwarenindustrie. Jetzt will man sich nicht mehr an Tarifverträge halten. Die dritte und zunächst letzte Verhandlungsrunde endete, in dem der Arbeitgeber ohne eine weitere Terminvereinbarung den Raum verließ. Nun drohen Arbeitskampfmaßnahmen.

Dazu erklärt Marius Niering, Gewerkschaftssekretär der NGG-Region Krefeld-Neuss (Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten) und Verhandlungsführer der NGG-Tarifkommission: „Wir waren und sind verhandlungsbereit, dass die Arbeitgeber den Verhandlungstisch verlassen haben, ist äußerst bedauerlich. Denn wir hatten nicht einmal die Gelegenheit unsere Vorschläge vorzutragen. Das Angebot der Arbeitgeber war für uns so nicht akzeptabel. Hinzu kommt die ständige Drohung mit Insolvenz, wenn wir nicht einlenken. Die Beschäftigten haben ein Anrecht auf einen Tarifvertrag. Wir fordern den Arbeitgeber weiterhin auf, an den Verhandlungstisch zurück zu kommen. Die Betriebsversammlung unterstreicht den Willen der Belegschaft. Wenn der Arbeitgeber sich dem weiter verschließt, müssen wir über Arbeitskampfmaßnahmen nachdenken.“

Auf der Betriebsversammlung, die vom Betriebsrat für Dienstag auf 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr terminiert ist, hat der Arbeitgeber die Gelegenheit sich zu erklären. Das Votum der Beschäftigten ist jedoch klar: Sie wollen einen Tarifvertrag und keine Almosen. Denn bis zur Übernahme durch die neuen Inhaber wurden die Tarifverträge der Branche auch angewendet. Hinzu kommt, dass es in den anderen Betrieben der Süßwarenindustrie in NRW schon im April eine Lohnerhöhung von 2,7% gab.

Die neue Geschäftsführung, Karl-Heinz Maneke und Peter Rinsch, gibt wirtschaftliche Schwierigkeiten an. Die Gewerkschaft weigert sich Tarifeinschnitte hinzunehmen, ohne dass es über die Schwierigkeiten einen Nachweis gibt. „Die Arbeitgeber verweigern sich aber bis heute dem gewerkschaftlichen Vorschlag einer Überprüfung der wirtschaftlichen Lage durch Dritte. Doch genau dies könnte helfen den Tarifkonflikt zu entspannen“, so die NGG.

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