Auch in der Arbeit der Aidshilfe Oberhausen e.V. ist die alltägliche Diskriminierung HIV-positiver Menschen oft Thema in Beratungsgesprächen. So steht in diesem Jahr der Abbau von Ängsten bzgl. der Ansteckungsrisiken im Vordergrund der Aktionen rund um den 1. Dezember (Foto: Aidshilfe Oberhausen e.V.)

Oberhausen. In 2015 jährt sich der Welt-Aids-Tag zum 28. Mal. Am 1. Dezember wird weltweit von Regierungen, Organisationen und Vereinen an HIV und Aids erinnert sowie zu Solidarität mit den von HIV betroffenen Menschen aufgerufen. Wie in den letzten beiden Jahren auch lautet das Motto des Welt-Aids-Tages 2015 „Positiv zusammen leben“ (www.welt-aids-tag.de).

„Was machst du, wenn Dein bester Freund HIV hat? – Alles, was wir immer machen.“ Diese und drei weitere Aussagen finden sich auf neuen Plakatmotiven. Sie sprechen die Bevölkerung direkt an und regen zum Nachdenken an. Die Kampagne macht darauf aufmerksam, dass man heutzutage in Deutschland aufgrund der modernen Therapiemöglichkeiten gut mit HIV leben kann, mit Diskriminierung aber nicht. Viele Menschen mit HIV erleben Diskriminierung in ihrem Alltag – sei es in der KiTa, beim Arzt, am Arbeitsplatz oder im privaten Umfeld.

Auch in der Arbeit der Aidshilfe Oberhausen e.V. ist die alltägliche Diskriminierung HIV-positiver Menschen oft Thema in Beratungsgesprächen. So steht in diesem Jahr der Abbau von Ängsten bzgl. der Ansteckungsrisiken im Vordergrund der Aktionen rund um den 1. Dezember. Denn es gilt: Im privaten sowie beruflichen Alltag besteht kein Ansteckungsrisiko. Die pflegerischen und medizinischen Standard-Hygienemaßnahmen reichen im Umgang bei Menschen mit HIV vollkommen aus. Und beim Thema Liebe kann man ebenfalls ohne Angst „positiv zusammen leben“. Denn auch beim Sex lässt sich das Risiko fast auf null senken – durch Kondome oder eine erfolgreiche Therapie. Die Angst vor dem Kontakt mit Menschen mit HIV im Alltag ist also unbegründet.

„Älter werden mit HIV“ ist ein weiteres präsentes Thema in der Beratungsstelle. Denn wegen der guten Therapiemöglichkeiten haben die meisten Menschen mit HIV eine fast normale Lebenserwartung. Aktuell sind etwa ein Drittel 50 Jahre oder älter. Die älteste Ratsuchende ist 77 Jahre alt. Das Ziel der Aidshilfe Oberhausen e.V. ist es, in den nächsten Jahren die medizinische und pflegerische Versorgungsstruktur für diese Klientel zu verbessern. Auch bei dieser Aufgabe ist Diskriminierung durch unzureichende Aufklärung das größte Hindernis. Besonders die Unterbringung von Menschen mit HIV in stationären Langzeit-Einrichtungen in Oberhausen/Mülheim erwies sich in der Vergangenheit als schwierig. Zu groß ist die Angst bei Personal und Bewohnern vor einer Ansteckung. Diese Angst ist unbegründet. Für pflegebedürftige Menschen mit HIV und deren Angehörige eine schwierige Situation, in der sich alle Beteiligten oft überfordert fühlen. Die Aidshilfe Oberhausen e.V. berät und begleitet in solchen Fällen. Und was hilft langfristig? Aufklärung. Die Aidshilfe Oberhausen e.V. bietet Fachschulungen für medizinisches Personal und Pflegeeinrichtungen sowie Unternehmen an. Erfreulich ist, dass es in Oberhausen und Mülheim einige Vorzeige-Institutionen gibt, in der sich Ausbilder oder Vorgesetzte gegen die Diskriminierung von HIV-positiven Menschen einsetzen und ihr Personal zum Thema HIV schulen. Das ist ein wichtiger Schritt. Wir brauchen mehr von diesem Engagement, damit wir in naher Zukunft alle „positiv zusammen leben“ können.

Rund 100 HIV-positive Menschen und ca. 45 An- und Zugehörige werden von der Aidshilfe Oberhausen e.V. dauerhaft und kostenfrei betreut. Fast ein Drittel sind Menschen mit Migrationshintergrund. 13 Nationen sind vertreten. Einige haben keinen gesicherten Aufenthaltsstatus. Letztere genannte Fälle sind meist mit einem besonders hohen Betreuungsanspruch verbunden. Denn neben der HIV-Infektion oder der Aids-Erkrankung stellt die Angst aus Deutschland abgeschoben zu werden, eine immense psychische Belastung dar. Darüber hinaus hinterlässt das sozialrechtliche System mit komplexen bürokratischen Abläufen bei den Klienten viele Fragen und überfordert sie, da sie beispielsweise Anträge nicht verstehen können. Hinzu kommt häufig, dass sie keine Krankenversicherung haben. Da heißt es meistens zunächst einmal, an der Basis zu arbeiten und den Klienten/die Klientin dabei zu unterstützen, grundlegende Dinge wie Unterkunft und medizinische Versorgung zu organisieren.

Im Bereich Prävention erreicht der Verein jedes Jahr mit etwa 55 Veranstaltungen 650 Schüler und Schülerinnen. Ergänzend fanden im Jahr 2015 etwa 300 Einmal-Beratungen für Menschen, die eine Risikoeinschätzung bezüglich HIV und weiteren sexuell übertragbaren Infektionen benötigten, statt. Schätzungen zufolge geht man davon aus, dass sich im Jahr 2015 vier bis sechs Oberhausener Bürger und Bürgerinnen mit HIV neu infiziert haben. Die 25 ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen leisten jedes Jahr um die 2.000 Stunden.

Zum Welt-Aids-Tag informiert die Aidshilfe-Oberhausen e.V. wie jedes Jahr über den aktuellen Stand ihrer Arbeit, sammelt Spenden und verkauft die begehrten Aids-Teddys. Viele Aktionen mit Infoständen haben mittlerweile langjährige Tradition, wie z.B. der Stand im Bero-Einkaufscenter. Auch in diesem Jahr wird die Aidshilfe Oberhausen e.V. durch Kooperationspartner wie die AWO-Pflegeschule und die Unternehmensgruppe Tengelmann bei der Umsetzung der Aktionen zum Welt-Aids-Tag 2015 tatkräftig unterstützt.

Denn es gilt nach wie vor: Um die Arbeit leisten zu können, ist die Aidshilfe Oberhausen e.V. sowohl auf öffentliche Finanzierung als auch auf private Zuwendungen und die großzügige Hilfsbereitschaft der Kooperationspartner angewiesen. Der Verein hofft, dass man sich auch in Zukunft auf die Unterstützung durch die Stadt und die Bürgerinnen und Bürger verlassen kann.

InfoKlick: www.welt-aids-tag.de und www.positive-stimmen.de sowie auf der Homepage der Aidshilfe Oberhausen e.V.: www.aidshilfe-oberhausen.de

„Älter werden mit HIV“ ist ein weiteres präsentes Thema in der Beratungsstelle. Denn wegen der guten Therapiemöglichkeiten haben die meisten Menschen mit HIV eine fast normale Lebenserwartung. Aktuell sind etwa ein Drittel 50 Jahre oder älter. Die älteste Ratsuchende ist 77 Jahre alt. Das Ziel der Aidshilfe Oberhausen e.V. ist es, in den nächsten Jahren die medizinische und pflegerische Versorgungsstruktur für diese Klientel zu verbessern (Foto: Aidshilfe Oberhausen e.V.)
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